(1) Ist der Sidekick ein passiver oder aktiver Charakter und in welchem Maße leistet er die Vorarbeit für seinen Helden?
(2) Inwieweit tritt der Sidekick hinter seinen Helden zurück oder stehen er und der Held auf gleicher Stufe?
(3) Hätte es der Held den Fall auch ohne seinen Sidekick lösen können?
Zu dieser ersten Frage habe ich eine Antwort, in der auch die Antworten zu (2) und (3) inbegriffen sind - Meiner Ansicht nach kann man diese Fragen in einer einzigen Frage zusammenfassen:
Wozu dient der Sidekick in der Serie, bzw. was war der Grund für den Autor/Mangaka, ihn in die Story einzubauen?
>Ich würde sagen, er dient Conan als Mittel zum Zweck. Und somit auch der Story, doch da in einem noch weiter gefassten Sinne. [Antwort zu (1)]>Conan, also Shinichi, benötigt den erwachsenen, dümmlichen, naiven, erfolglosen Kogoro - sein komplettes Gegenteil also - um seine Ziele zu erreichen: Das Auflösen der Fälle.<>Er selbst kann das nicht direkt tun, denn die Öffentlichkeit darf um seine wahre Identität nicht erfahren.<Kogoro Mori wiederum wird durch ihn erfolgreich.Ihre Gegensätzlichkeiten gleichen sich also aus, indem sie beide voneinander nutzen und ausgenutzt werden.Kogoro - der naive erwachsene, der unvernünftiger ist als Conan, der zu einem Kind geschrumpfte geniale Jugendliche: Beide brauchen sich, um ihre persönlichen Ziele durchzusetzen.< [Antwort zu (3)]
Selbiges spiegelt sich in der Story wieder und auch in der Serie:>Er ist auf die Art passiv, dass er nicht durch eigene Denkarbeit zum Voranschreiten der Story beiträgt - denn dafür hat er Conan/Shinichi.Er ist auf die Art aktiv, dass er durch seinen zum Protagonisten gegensätzlichen, aber nicht durchweg bösartigen Charakter den Protagonisten fordert und antreibt und so - wenn auch indirekt, passiv eben - zum Voranschreiten des Protagonisten beiträgt.Kurz und gut: Er ist (s)ein Sidekick. Aber Conan ist auch (s)ein Protagonist. <
[Das ist auch meine Antwort zu (2) und eine etwas ausführlichere Antwort zu (1)](4) Hat der Sidekick den Fall entscheidende Ideen/Momente?
Nein, keine Ideen. Nur extrem selten ist es so, dass Kogoro Conan durch puren Zufall auf den richtigen Gedanken bringt - letztendlich bleibt es aber, wie schon Stretz erläuterte, eigentlich Conans/Shinichis Erfolg, denn er hat die Vorarbeit erbracht, um den Verbrecher zur Strecke zu bringen.
Kogoro ist, sozusagen, sein gutgläubiger Vermittler. Er dient Conan/Shinichi als Medium, um nicht selber aufzufliegen - aktiv trägt er als Sidekick nichts zur Lösung eines Fall bei.
"Der mysteriöse Schlafende Kogoro" - Das Medium, über das die Fälle wie durch ein Wunder gelöst werden.
Er tut nichts außer schlafen und trägt somit auf seine ganz persönliche, passive Art zur Lösung des Falls bei.
Eigentlich genau dieselbe Antwort wie bei 1, 2 und 3, nur... anders... xD
(5) Hat der Sidekick emotionalen Wert für den Helden, der tiefer geht als ein praktischer Nutzen? Wie tief geht dieser? Wie äußert er sich?
JA! Definitiv. Von beiden Seiten gibt es eine emotionale, wie auch eine Kosten-Nutzen bedingte Verbindung von tieferem Wert.
Wie bereits erläutert.
Die Besonderheit ist, dass sich keiner von beiden so richtig bewusst darüber ist, wie wichtig diese Verbindung für sie ist:
Sie sind einfach beide zu stolz, um einzusehen, dass der "neunmalkluge Rotzbängel" oder eben der "blinde Trunkenbold" für sie eine wichtige Rolle spielt, um ihre Ziele, sei es nun Wohlstand oder Gerechtigkeit, zu erreichen.
Allerdings spüren sie es unterbewusst und das zeigt sich in ihrer Verhaltensweise:
Conan weiß, dass er trotz seinen anderen Verbindungen Kogoro benötigt, um verdeckt ermitteln zu können und seiner geliebten Ran nah zu bleiben - Also macht es ihm nichts aus, dass dumme Kind zu spielen.
Kogoro merkt, dass er erst, seitdem Conan aufgetaucht ist, erfolgreich Fälle löst - Deswegen macht es ihm nichts aus, nicht zu wissen, wie es denn dazu kommt, solange es auch so bleibt. Und so akzeptiert er, dass "das Kind" bei ihm Wohnen darf, solange es nicht zu sehr nervt.
Alles im Gleichgewicht.
Wie zeigt ich das jetzt aber emotional?
Nun: Ran spielt auch eine wichtige Rolle - wie bereits erwähnt, liebt Shinichi/Conan sie - und sie mag Conan, liebt allerdings Shinichi, nach dem sie sich so sehr sehnt.
Und Conan, bzw. Shinichi, liebt Ran natürlich ebenso wie sie es tut.
Kogoro wiederum liebt seine Tochter als Vater natürlich über alles, auch wenn er das nicht immer zeigt, weil sie ihn an seine Ehefrau Eri erinnert.
Deswegen will er, dass es ihr gut geht - und da Conan ihm lieber ist als Shinichi (den er aus uns bekannten Gründen absolut nicht leiden kann) und Conan im warsten Sinne des Wortes ein persönlicher Ersatz von Shinichi und für Ran ist, da sie in Conan auf einer gewissen Ebene Shinichi sieht, nimmt er diesen Ersatz liebend gerne an. Solange er nicht nervt.
Deswegen will auch Conan, dass es Kogoro gut geht - und da es ihm lieber ist, Kogoro zu unterstützen, damit dieser besser für Ran da sein kann, als Vater. Ihre Mutter, Eri, hat als gut verdienende Anwältin ja keine Zeit für ihre Tochter, auch wenn sie sich stets um sie sorgt.
Also bietet sich ihm keine andere Möglichkeit, als Kogoro auszunutzen, um von ihm für den Wohlstand der Vater-Tochter-Familie, also Kogoro und Ran, ausgenutzt zu werden.
Ihre Motivation ist also das schnelle Geld und die Liebe zu Ran, ihre emotionale Bindung kreuzt sich über ihrem Charakter.
Wenn es Ran nicht geben würde, würde es auch die Verbindung zwischen Conan und Kogoro nicht geben.
Und dann würde sich unser Protagonist (Detektiv Conan, nicht Shinichi!) nicht nur nicht mehr weiterentwickeln, sondern sich sogar in Luft auflösen - Die Serie würde ohne Ran nicht funktionieren, geschweige denn existieren.
Das sollte man immer vor Augen behalten:
Wer oder was sorgt dafür, dass der Held seinen Sidekick für nötig hält? ...Ran!